Warum das richtige Maß so wichtig ist
Neue Fenster werden auf den Millimeter nach Maß gefertigt. Ist das Fenster zu groß, passt es nicht in die Öffnung. Ist es zu klein, wird die Fuge zu breit, lässt sich nicht mehr sauber abdichten und die Rahmenansicht wirkt ungleichmäßig. Beides kostet Zeit und im schlechtesten Fall eine Neubestellung.
Das Aufmaß selbst ist kein Hexenwerk. Sie brauchen ein Maßband oder einen Zollstock, einen Stift und ein paar Grundregeln. Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Fenster und Türen im Neubau und im Altbau richtig ausmessen.
Die wichtigsten Grundregeln
Immer zweimal messen. Messen Sie Breite und Höhe jeweils an zwei Stellen, die Breite oben und unten, die Höhe links und rechts. Mauerwerk ist selten ganz gerade. Weichen die Werte voneinander ab, gilt immer das kleinere Maß.
Montagefuge einrechnen. Zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk braucht es eine Fuge, die später gedämmt und abgedichtet wird. Für eine Montage nach RAL rechnen wir mit 15 mm je Seite. Eine schmalere Fuge von etwa 10 mm ist möglich, wenn Sie eine schlankere Ansicht möchten. Die Fuge muss aber breit genug bleiben, um den Montageschaum sauber einzubringen.
Den Anschlag beachten. Bei den meisten Häusern ist die Maueröffnung außen kleiner als innen. Das nennt sich Außenanschlag: Das Fenster sitzt von innen gegen einen Mauervorsprung. Ist die Öffnung innen kleiner, spricht man von einem Innenanschlag. Ohne Anschlag ist die Öffnung innen und außen gleich groß, das ist im Neubau häufig der Fall.
Bestellmaß ist nicht Lochmaß. Was Sie messen, ist die Maueröffnung, das sogenannte Rohbaumaß oder Lochmaß. Bestellt wird das Elementmaß, also die Außenmaße des Fensterrahmens. Dazwischen liegen die Montagefuge und gegebenenfalls der Fensterbankanschluss.
Fenster ausmessen im Neubau
Im Neubau ist die Öffnung meist glatt und ohne Anschlag. Das macht das Aufmaß einfacher.
Höhe ermitteln:
- Messen Sie die Maueröffnung von unten nach oben, links und rechts. Nehmen Sie das kleinere Maß.
- Ziehen Sie 15 mm für die Montagefuge oben ab. Unten steht das Fenster später direkt auf dem Mauerwerk oder auf dem Fensterbankanschluss.
- Planen Sie einen Fensterbankanschluss ein, was wir empfehlen, ziehen Sie dafür weitere 30 mm ab. Geben Sie bei der Bestellung unbedingt an, dass Sie einen Fensterbankanschluss von 30 mm benötigen, er ist nicht automatisch enthalten.
Ausnahme Holzfenster: Hier ist der Fensterbankanschluss als Fräsung in den Rahmen eingearbeitet und wird in der Höhe nicht abgezogen.
Breite ermitteln:
- Messen Sie die Breite der Öffnung oben und unten. Nehmen Sie das kleinere Maß.
- Ziehen Sie für jede Seite 15 mm Montagefuge ab, insgesamt also 30 mm.
Beispiel: Die Öffnung misst 1.010 mm in der Breite und 1.260 mm in der Höhe. Das ergibt eine Bestellbreite von 980 mm. In der Höhe ziehen Sie 15 mm Fuge und 30 mm Fensterbankanschluss ab und kommen auf 1.215 mm. Bei einem Holzfenster entfällt der Abzug für den Fensterbankanschluss, die Bestellhöhe beträgt dann 1.245 mm.
Hat Ihr Mauerwerk doch einen Anschlag, kann eine Rahmenverbreiterung sinnvoll sein. Sie sorgt dafür, dass der Rahmen nicht komplett hinter dem Außenmauerwerk verschwindet und die Ansicht von außen gleichmäßig bleibt.
Fenster ausmessen im Altbau
Beim Fenstertausch im Altbau sitzen alte Fenster, Fensterbänke und Anschläge im Weg. Deshalb wird hier in der Höhe zweimal gemessen.
Gesamthöhe: Messen Sie von der Außenfensterbank bis an den inneren Sturz. Ziehen Sie 15 mm für die Montagefuge oben ab. Das ist die Gesamthöhe.
Fensterhöhe: Messen Sie von der Innenfensterbank bis an den Innensturz und ziehen Sie wieder 15 mm für die Fuge oben ab. Unten ziehen Sie nichts ab, denn zwischen Innenfensterbank und Fenster soll keine Lücke entstehen. Das ist die Höhe Ihres Fensters.
Fensterbankanschluss: Die Differenz zwischen Gesamthöhe und Fensterhöhe ergibt die Höhe des nötigen Fensterbankanschlusses. Bei Außenfensterbänken aus Aluminium empfehlen wir einen mittigen Anschluss, bei Steinfensterbänken einen vorne bündigen. Bei Holzfenstern ist der Fensterbankanschluss als Fräsung in den Rahmen eingearbeitet. Die Höhe der Fräsung wird deshalb nicht von der Gesamthöhe abgezogen.
Messen Sie auch hier jede Höhe links und rechts. Das kleinere Maß zählt.
Breite und Anschlag: Messen Sie die Breite der Öffnung oben und unten und ziehen Sie vom kleineren Maß 30 mm für die Fuge ab. Das entspricht 15 mm je Seite. Bei einem Außenanschlag ist das bereits Ihre Fensterbreite.
Messen Sie zusätzlich die Breite außen. So erkennen Sie, ob Sie einen Innen- oder Außenanschlag haben. Ist das Innenmaß kleiner, liegt ein Innenanschlag vor. Bei einem großen Innenanschlag besteht die Gefahr, dass das Mauerwerk die Bänder, also die Scharniere, verdeckt. Beträgt die Abweichung zwischen innen und außen insgesamt 40 mm oder mehr, nehmen wir deshalb das Innenmaß als maßgebend und rechnen bis zu 20 mm je Seite als Auflage für den Rahmen hinzu.
Bei großen Unterschieden zwischen Innen- und Außenbreite helfen auch hier Rahmenverbreiterungen, damit die Rahmenansicht außen gleichmäßig bleibt.
Türen ausmessen: Balkon, Terrasse und Haustür
Balkon- und Terrassentüren messen Sie im Prinzip wie Fenster. Zwei Unterschiede gibt es:
- Unten zählt die Schwelle. Messen Sie vom fertigen Fußboden, nicht vom Rohboden. Ist der Bodenbelag noch nicht verlegt, rechnen Sie dessen Aufbauhöhe ein. Für einen möglichst barrierearmen Übergang planen Sie eine flache Schwelle ein.
- Schiebetüren haben eigene Maße. Bei Hebeschiebe- oder Parallel-Schiebe-Kipp-Türen hängen die Maße stark vom System ab. Hier ist ein Aufmaß vor Ort durch den Fachbetrieb dringend zu empfehlen.
Haustüren werden ebenfalls über die Maueröffnung gemessen. Wegen Schwelle, Seitenteilen und Anschluss an den Bodenbelag ist das Aufmaß bei Haustüren deutlich anspruchsvoller als bei Fenstern.
Typische Fehler beim Ausmessen
- Nur einmal gemessen: Unregelmäßigkeiten im Mauerwerk bleiben unbemerkt.
- Montagefuge vergessen: Das Fenster passt nicht in die Öffnung.
- Fensterbankanschluss nicht angegeben: Er wird nicht mitgeliefert und fehlt am Montagetag.
- Vom Rohboden gemessen: Die Tür passt nach dem Verlegen des Bodens nicht mehr.
- Innenanschlag übersehen: Die Bänder verschwinden hinter dem Mauerwerk.
Anleitung als PDF zum Download
Die komplette Anleitung mit Zeichnungen für Neubau und Altbau finden Sie als PDF in unserem Downloadbereich. So haben Sie beim Messen alle Schritte und Abzüge auf einen Blick.
Aufmaß durch den Fachbetrieb
Ein selbst genommenes Aufmaß ist immer eine Hilfestellung. Wegen der vielen unterschiedlichen Einbausituationen können wir für selbst ermittelte Maße keine Gewähr übernehmen. Wenn Sie ganz sicher gehen möchten, kommen wir zu Ihnen und nehmen das Aufmaß selbst vor, verbindlich und abgestimmt auf die spätere Montage. Das Aufmaß vor Ort durch uns gehört zu unserem Serviceversprechen im Landkreis Verden, in Achim, Oyten und im Großraum Bremen.
Wenn Sie Ihre Fenster selbst einbauen möchten, finden Sie im nächsten Schritt unsere Anleitung zur Fenstermontage. Mit welchen Kosten Sie für neue Fenster rechnen sollten, zeigt unser Preis-Leitfaden für neue Fenster mit Einbau. Für Fragen zu Material und Ausführung lohnt ein Blick auf unsere Kunststofffenster, Holzfenster und Aluminiumfenster, oder Sie sprechen uns direkt an.
Häufige Fragen zum Ausmessen
Messe ich das Fenster oder die Maueröffnung?
Immer die Maueröffnung. Die Maße des alten Fensters helfen nicht weiter, weil die Montagefuge und der Anschluss beim alten Fenster oft anders ausgeführt sind.
Wie breit sollte die Montagefuge sein?
Für eine Montage nach RAL rechnen wir mit 15 mm je Seite. Etwa 10 mm sind möglich, wenn Sie eine schmalere Ansicht wünschen. Weniger sollte es nicht sein, sonst lässt sich die Fuge nicht sauber dämmen.
Was ist ein Fensterbankanschluss und brauche ich einen?
Ein Profil unter dem Rahmen, an das die Außenfensterbank angeschlossen wird. Er gleicht Höhenunterschiede aus und sorgt für einen sauberen, dichten Übergang. Wir empfehlen ihn in fast allen Fällen. Bei Holzfenstern ist er als Fräsung in den Rahmen eingearbeitet und wird beim Aufmaß in der Höhe nicht abgezogen.
Kann ADIGA das Aufmaß übernehmen?
Ja. Wir messen vor Ort, prüfen Anschläge und Anschlüsse und übernehmen damit die Verantwortung für die Maße. Das empfehlen wir besonders bei Altbauten, Schiebetüren und Haustüren.






